Gründung einer Praxis für Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie und Podologie


Sie wollen sich als LogopädIn, ErgotherapeutIn, PhysiotherapeutIn oder PodologIn selbstständig machen? Sie wollen eine eigene Praxis eröffnen oder eine bestehende Praxis übernehmen?

Dann erfahren Sie auf dieser Seite, was Ihre nächsten Schritte sind.

Viele Therapeuten  haben eine sehr gute Ausbildung und bringen viel persönliches Engagement mit.
Für eine Existenzgründung brauchen Sie allerdings auch wirtschaftliche Fähigkeiten und "Unternehmer"-Geist.

Sie werden an Ihrem Businessplan arbeiten, eine Marketingstrategie entwerfen und wahrscheinlich auch einen Kredit benötigen, um Ihren Traum umzusetzen.

Das ist kein Hexenwerk! Aber man muss sich gründlich vorbereiten und lernen, wie bei jeder anderen Sache auch.

Auf geht's!


1. Die Zulassungebedingungen

Die Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, um Patienten der gesetzlichen Krankenkassen behandeln und  abrechnen zu können, ergeben sich grundsätzlich aus den so genannten

"Empfehlungen des GKV-Spitzenverbandes gemäß § 124 Abs. 4 SGB V zur einheitlichen Anwendung der Zulassungsbedingungen nach § 124 Abs. 2 SGB V für Leistungserbringer von Heilmitteln, die als Dienstleistung an Versicherte abgegeben werden".

Empfehlungen umfassen drei Anforderungsbereiche:

a) räumlich (z. B. Mindestgröße der Behandlungsräume),

b) sächlich (Mindestpraxisausstattung) und

c) personell

Wer die Anforderungen erfüllt kann eine Zulassung beantragen.

2. Der Antrag




Für die Zulassung bei den Krankenkassen genügt eine formlose Antragsstellung als Leistungserbringer nach § 125 SGB V.

Der Antrag wird gestellt an die:

a) Primärkassen

sowie die

b) Ersatzkassen

2.1 Zulassung - Zeitlich


In der Regel dauert es 4 - 6 Wochen von der Antragsstellung bei den Krankenkassen bis zur Zulassung.

Um das Antragsverfahren möglichst schnell zu durchlaufen, sollten die Unterlagen vollständig eingereicht werden, sonst kann es zu Verzögerungen kommen.

3. Standortwahl und Räume

Den perfekten Standort gibt es nicht, allerdings sollte man folgende Faktoren betrachten:

a) Wettbewerbssituation

b) Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln

c) Kaufkraft und Bevölkerungsstruktur, sowie Prognosen über die zukünftige Bevölkerungsentwicklung

d) Barrierefreiheit der Praxis und Parkmöglichkeiten

e) Rahmenbedingungen des Mietvertrages (Laufzeit, Miethöhe, Verlängerungsoptionen, Erweiterungsmöglichkeiten)

f) Zuschnitt der Räumlichkeiten in Bezug auf die Zulassungsbedingungen

Achtung: Es gibt keine regionalen Zulassungsbeschränkung, d. h. eine Zulassung kann bei Vorliegen der Vorraussetzungen nicht versagt werden. 

Das bedeutet, auch wenn Sie direkt neben einer anderen Praxis gründen möchten, steht dem nichts im Wege!


4. Die Wahl der Unternehmensform für eine Praxis

Einzelpraxis oder Gemeinschaftspraxis?

Gesellschaft mit beschränketer Haftung (GmbH)

oder

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Für die Gründung einer Praxis kommen in der Regel die nachfolgenden Formen in Frage:

 

 


4.1 Gründung als Einzelunternehmer

Die Gründung als Einzelunternehmer ist sicherlich die häufigste Form und einfachste Möglichkeit, die in unserer Branche vorzufinden ist.

Für die Gründung eines Einzelunternehmens gibt es keine besonderen gesetzlichen Vorschriften.

Sie sind alleiniger Gründer und Inhaber des Unternehmens.
Entgegen der Rechtsform der GmbH ist hier kein Vertrag erforderlich.

Von Kaufleuten abgesehen, muss sich ein Einzelunternehmer nicht in das Handelsregister eintragen lassen.
Es muss kein Haftungskapital hinterlegt werden.

Neben dem Zulassungsantrag müssen Sie nur dem Finanzamt Ihre Tätigkeit anzeigen.

 

Vorteile Einzelunternehmer

 

  • Kein Haftungskapital notwendig
  • Alle Entscheidungen können allein getroffen werden
  • Keine Gründungsformalitäten erforderlich
  • Einfache Buchhaltung, bei Jahresgewinn von 50.000 € oder Jahresumsatz von 500.000 € genügt eine einfache Einnahme-Überschussrechnung
  • Privatentnahmen ohne buchhalterischen Aufwand möglich
  • Leichte Übertragung oder Auflösung des Unternehmens möglich

  • Kein Konfliktpotential mit anderen Gesellschaftern

  • Inhaber kann alleine über die Verwendung der Gewinne entscheiden

  • gute Position bei Kreditverhandlungen mit Banken wegen unbeschränkter Haftung

 

Nachteile Einzelunternehmer

  • Einzelunternehmer haftet in voller Höhe auch mit seinem Privatvermögen d. h. im schlimmsten Fall kann das gesamte Privat- und Geschäftsvermögen verloren gehen
  • Gewinne sind mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern, bei höheren Gewinnen kann eine andere Gesellschaftsform zumindest steuerlich vorteilhafter sein

Für wen geeignet

Das Einzelunternehmen ist aufgrund der geringen Einstiegshürden und kaum vorhandenen bürokratischen Pflichten der ideale Einstieg für Praxisgründer, weil sie mit dieser Rechtsform sofort loslegen können.

Sie müssen keine monatelangen Vorbereitungen treffen, Notartermine erledigen und Verträge aushandeln.

Anders sieht es hingegen aus, wenn Vermögenswerte vorhanden sind.

Besitzen Sie ein Haus oder Barvermögen, das Sie nicht in das Unternehmen einbringen möchten, ist das Einzelunternehmen keine gute Wahl.

Im Falle der Zahlungsunfähigkeit dürften sich Ihre Gläubiger an Ihrem Privatvermögen bedienen, was den Verlust von Haus und Hof bedeuteten kann.

4.2 Gründung als GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechtes)

Mehrere Personen schließen sich zusammen und gründen gemeinsam.

Die GbR ist die Grundform der Personengesellschaften und besticht durch ihre einfache und kostengünstige Gründung. Die gesetzlichen Regelungen für die GbR finden sich im Bürgerlichen Gesetzbuch, §§ 705 ff.

4.2.1 Gesellschaftsvertrag GbR

Errichtet wird die GbR durch einen formlosen Gesellschaftsvertrag, der schriftlich oder mündlich geschlossen werden kann.

Es ist unbedingt empfehlenswert, die wesentlichen Punkte des Zusammenschlusses mit Hilfe eines Rechtsberaters, schriftlich in einem Gesellschaftsvertrag festzuhalten.

Bedeutsam sind z. B. Regelungen zum Thema:

  • Gesellschaftszweck

  • Geschäftsführung und Vertretung

  • Interne Haftungsverteilung

  • Tätigkeitsvergütung

  • Entnahmerecht

  • Gewinn- und Verlustverteilung

  • Informations- und Kontrollrecht

  • Wettbewerbsverbot

  • Abtretung von Geschäftsanteilen

  • Ausscheiden eines Gesellschafters

  • Tod eines Gesellschafters

  • Abfindung

Spätere Unklarheiten oder Meinungsverschiedenheiten über Vertragsbedingungen können so vermieden werden. Im Falle eines Rechtsstreits erfüllt der schriftliche Vertrag wichtige Beweiszwecke.

Vorteile der GbR

  • Einfache und kostengünstige Gründung
  • Keine Eintragung in das Handelsregister notwendig
  • Wenn kein Gesellschaftsvertrag vorhanden ist, regelt das Gesetz (§§ 705 ff BGB) die Grundlagen der Gesellschaft
  • Einfache Buchhaltung: Bei einem Jahresgewinn von 50.000 € oder einem Jahresumsatz von 500.000 € genügt eine Einnahme-Überschussrechnung

Nachteile der GbR

  • Die Gesellschafter haften persönlich und unbeschränkt auch mit ihrem Privatvermögen für die Tätigkeit der GbR
  • Jeder Gesellschafter versteuert seinen Gewinnanteil mit dem persönlichen Steuersatz, bei höheren Gewinnen kann eine andere Gesellschaftsform zumindest steuerlich vorteilhafter sein
  • Ohne vertragliche Regelungen sind nur beide Gesellschafter zusammen befugt, die Gesellschaft zu vertreten und etwa Verträge abzuschließen

4.3 Gründung als GmbH (Gesellschaft mit beschränketr Haftung)

Ein oder mehre Personen gründen eine GmbH.

Hierfür ist ein notarieller Vertrag und der Nachweis von Gründungskapital erforderlich.

Vorteil: Das Risiko ist auf das Stammkapital begrenzt.
Nachteil: Es fallen hohe Gründungs- und Verwaltungskosten an.

Vorteile der GmbH

  • Haftungsbeschränkung auf das Unternehmensvermögen
  • Aus steuerrechtlicher Sicht kann eine GmbH vorteilhaft sein
  • Die GmbH hat ein gutes Ansehen bei Kunden und Geschäftspartner und gilt als seriös

Nachteile der GmbH

  • Es muss eine Stammeinlage von 25.000 € als Haftungskapital hinterlegt werden

  • Gründung der GmbH, das Erstellen oder Ändern der Satzung oder die Übertragung von Geschäftsanteilen müssen immer notariell beurkundet in das Handelsregister eingetragen werden

  • Die Haftungsregeln für Gesellschafter und Geschäftsführer sind streng, hier können bei Vernachlässigung der zahlreichen gesetzlichen Pflichten steuerliche oder gar strafrechtliche Konsequenzen drohen

  • Auch eine unbeschränkte persönliche Haftung des Geschäftsführers oder der Gesellschafter mit dem Privatvermögen ist möglich

  • Die GmbH unterliegt Bilanzregeln des Handelsgesetzbuches, diese sind verglichen mit den Vorschriften, die etwa für eine GbR gelten, sehr viel komplexer

  • Keine Ist-Besteuerung möglich, sondern Soll-Besteuerung

4.3.1 Mini-GmbH

Eine Mini-GmbH ist eine Unternehmensgesellschaft (haftungsbeschränkt), die ein Stammkapital von mindestens einem Euro benötigt.

Der Begriff Mini-GmbH ist auch als „1-Euro-GmbH“ bekannt. Die Mini-GmbH ist am 1. November 2008 im Rahmen des Gesetzes zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen in Kraft getreten und ist eine Unterform der GmbH.

Geschäftspartner müssen erkennen können, dass sie es mit einer "Mini-GmbH" zu tun haben, die im Zweifel nur mit extrem wenig Kapital ausgestattet ist. Deshalb ist die Firma (= Name des Betriebs) im Geschäftsverkehr um die Bezeichnung "UG" oder "Unterneh-mergesellschaft" sowie den Zusatz "haftungsbeschränkt" zu ergänzen. Der Zusatz darf weder fehlen, noch abgekürzt werden. Wird dies nicht beachtet, kommt es zur unbeschränkten Haftung der Gesellschafter mit dem Privatvermögen

 

 



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