29.11.2016

Impressionen der 11. Internationalen Stuttgarter Stimmtage

Im Gespräch mit dem Stimmexperten Uwe Schürmann (US)


Logopäde, Sprechwissenschaftler/ Sprecherzieher (DGSS)

 

to: In logopädischen Kreisen gelten Sie mit Ihrer über 25-jährigen Erfahrung im Bereich Stimme als Experte. Wie kam es dazu? Wie haben Sie sich fortgebildet?

US: Stimme hat mich von Anfang an interessiert und war meine Hauptmotivation für die Logopädenausbildung.
Ich hatte Gesangsunterricht, sang in Chören und spielte in Theatergruppen.

Während der Ausbildung begann ich auch begleitend das Studium der Sprechwissenschaft - mit Schwerpunkt auf Sprechkunst und Stimmbildung.
Ich habe dann auch viele Fortbildungen besucht und Unterricht genommen:

Funktionale Methode, Roy-Hart-Arbeit, Coblenzer
. Und bei Coblenzer bin ich dann hängen geblieben. 1988 hatte ich ihn in einem Logopädenseminar kennengelernt und fuhr dann zu seinen Sommerkursen in die Schweiz. Ab 1990 war ich einer seiner Assistenten dort.

Aber parallel beschäftigte ich mich noch mit Middendorf-Arbeit sowie Musik-Kinesiologie.

Da ich früh als Lehrlogopäde für Stimme begann, versuchte ich das alles dann sinnvoll unter einen Hut zu bringen.

to: Vom 29. September bis 02. Oktober 2016 fanden die 11. Internationalen Stuttgarter Stimmtage statt. Mit welchen Eindrücken sind Sie von dem Kongress zurückgekehrt?

US: Oh, ganz verschiedene.
Seit langem war ich einfach mal nur wieder als Teilnehmer dabei - auch sehr angenehm!

Stimmtherapeutische Angebote gab es dort wenige und die haben mich auch nicht sonderlich gereizt.

Stimmpädagogische Anregungen habe ich mir im Workshop zum Konzept der "Stimmkugel" erhofft - da gibt es ja sogar ein Buch drüber - und war schwer enttäuscht. Eine nette methodische Idee wurde als systematische Vorgehensweise angepriesen. Von Systematik aber keine Spur!

Begeistert war ich von zwei Workshops zum Beatboxen und zur "Multifunktionsmundkunst". Lustiger Name. Und beide absolut beeindruckend und anregend. Das kam dann auch im Festabend beim Vortrag super gut an.

to: Was sind Ihrer Einschätzung nach die maßgeblichen "News" aus dem Bereich Stimme?

US: Ach, so richtig neu kam mir gar nichts vor.
Diagnostik verfeinert sich natürlich und die Möglichkeiten, zum Beispiel mit MRT die kleinen verborgenen Bewegungen und Zusammenhänge darzustellen und so besser nachvollziehen zu können, sind schon toll.

Bernhard Richter und Claudia Spahn vom Freiburger Institut für Musikermedizin haben da einerseits überzeugend ganzheitlich und andererseits physiologisch absolut detailliert von ihren Ergebnissen berichtet.

Ein neues Lexikon der Gesangsstimme scheint mir auch sehr lesenswert.

Aber in den therapeutischen oder pädagogischen Umsetzungen gibt es zwar immer mal wieder nette Impulse und witzige Zugänge, aber so richtig neu erscheint mir nichts.

Vielleicht ist es aber auch so, dass sich sowieso jeder sein eigenes Repertoire zusammenstellt und es eher darum gehen sollte, eine einheitliche Terminologie, ein einheitliches Funktionsverständnis und daraus folgend eine mehr oder weniger allgemeingültige Didaktik zu entwickeln.
Eigentlich sind die Grundlagen doch recht klar.

Aber gerade im Bereich Stimme wird dann so Vieles physiologisch unpräzise und methodisch verschwommen bezeichnet und praktiziert.

to: Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft des Bereiches Stimmtherapie in der Logopädie aus?

US: Ich hoffe, dass es tatsächlich über die einzelnen Arbeitsansätze hinaus eben diese Vereinheitlichung gibt.

Im Sinne von Leitlinien der Stimmtherapie (und natürlich auch der Stimmpädagogik) wünsche ich mir das schon seit langem.

to: Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr Schürmann.

 

 

 


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