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10.09.2015

Heilmittelpreise für Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie und Podologie könnten deutlich steigen

2,95 % mehr Geld für freie Praxen?


Am 15.09.2015 hat das Bundesministerium für Gesundheit die durchschnittliche Veränderungsrate der beitragspflichtigen Einnahmen der Mitglieder aller Krankenkassen für 2016 bekannt gegeben.

Sie beträgt +2,95 % und ist damit so hoch wie noch nie seit der Erhebung der Zahlen bis zum Jahre 2000.


Grundlohnsumme - Obergrenze für neue Gebührenvereinbarungen der Therapeuten mit den Krankenkassen

Seit 2003 markiert die Grundlohnsummensteigerung die maximal mögliche Steigerungsrate der Preise für Heilmittel von Therapeuten in freier Praxis.
Die Krankenkassen argumentieren aufgrund § 71 Absatz 2 SBG V, dass die Preise für Heilmittel in den Praxen nicht stärker steigen dürfen als der festgelegte Veränderungssatz.

Dabei wurden in der Vergangenheit diese Veränderungssätze von den Verbänden der Heilmittelerbringer in den Verhandlungen mit den Krankenkassen oft nicht einmal erzielt, sodass die Preissteigerungen deutlich geringer ausfielen - erfreulich für die Krankenkassen!

Maximalpreise für Heilmittel bleiben hinter Inflation und Lohnentwicklung in Deutschland deutlich zurück

Die nachfolgende Tabelle zeigt, dass schon die maximalen Steigerungen der Grundlohnsumme hinter den Entwicklungen der Geldentwertung und der Bruttolöhne in Deutschland in den meisten Jahren zurückbleiben.

Entwicklung Grundlohnsummensteigerung, Inflation und Bruttolöhne in Deutschland 2005 - 2015

Jahr*SteigerungInflationSteigerung Bruttolöhne in Deutschland
20172,5 %
20162,95%N.N.N.N.
20152,53%0,3 %4 %
20142,81%0,9%3,9%
20132,03%1,5%3,1%
20121,98%2%4,1%
20111,15%2,1%4,7%
20101,54%1,1%2,9%
20091,41%0,3%0,1%
20080,64%2,6%4%
20070,79%2,3%3,2%
20060,97%2,78%1,4%
20050,38 %2,02%-0,2%
Durchschnitt18,03 %17,9 31,5 %

Quellen:
Bundesministerium für Gesundheit;statista-das Statistikportal
Stand: 26.10.2016


*Und bedenken Sie, der angegebene Prozentsatz der Grundlohnsummensteigerung entspricht nicht den Steigerungen der Preise für Heilmittel. Die Abschlüsse der Berufsverbände mit den Krankenkassen lagen oft darunter!

Einkommensentwicklung in den freien Praxen negativ

Wenn man die durchschnittliche Steigerung aller Bruttolöhne in Deutschland in einen Vergleich einbezieht, wird deutlich, dass die Schere von durchschnittlicher Bruttolohnentwicklung und Verdienstmöglichkeiten von Therapeuten stark auseinandergeht.

Und selbst wenn die maximale Steigerungsrate in allen Jahren erreicht worden wäre, gäbe es eine Lücke zu Lasten der Heilmittelerbringer von 11,05 % im Laufe von nur 9 Jahren!
Bei der negativen Stimmung in den freien Praxen handelt es sich also nicht nur um ein allgemeines negatives Klagen.

Berufsverbände konnten sich nicht durchsetzen

An dieser Stelle wird deutlich, dass die Heilmittelerbringer weder über eine gewerkschaftliche Interessenvertretung noch über eine Streikkasse oder sonstige wirksame Möglichkeiten der Lobbyarbeit verfügen. Aufgrund ihrer verstreuten Organisationskultur sind sie ein schwacher Verhandlungspartner gegenüber den Krankenkassen.

Die Berufsverbände müssen sich leider die Kritik gefallen lassen, dass ihre Verhandlungsergebnisse im letzten Jahrzehnt zu deutlichen Einkommensverlusten für die freien Praxen geführt haben
.

Berufsverbände fordern Abkoppelung

Umso wichtiger ist es, dass die Berufsverbände hartnäckig bleiben und weiterhin die Abkoppelung von der Grundlohnsummensteigerung fordern – auch wenn das sowohl von Krankenkassen als auch von der Politik bislang abgelehnt wird.

Die Therapeuten in freier Praxis könnten sich dann wenigstens über eine Steigerung der Preise um 2,95 % freuen! Allerdings reicht dies bei Weitem nicht aus, um die in der Vergangenheit entstandenen Defizite nennenswert aufzuholen.

Die Berufsverbände müssen die Politik mit entsprechenden Zahlen konfrontieren und auf die negativen betriebswirtschaftlichen Entwicklungen der Praxisinhaber hinweisen:

Patientenversorgung und Arbeitsplätze sind gefährdet!



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Erläuterung:

Berechnung der Grundlohnsummensteigerung

Sie wird berechnet aus den durchschnittlichen Veränderungsraten der beitragspflichtigen Einnahmen aller Mitglieder der Krankenkassen für den Zeitraum des zweiten Halbjahres des Vorjahres und des ersten Halbjahres des jeweils aktuellen Jahres im Vergleich zur jeweiligen Vorjahresperiode. 


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