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12.04.2016

Leitlinien in der Logopädie

Fazit einer Facharbeit


Umfrageergebnis

(Blank, N., Dunkel, C., Krummacker, J., Verfürth, V., Tschuschke, B.)

Theoretischer Hintergrund

Leitlinien sollen der Sicherung und Verbesserung in der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung dienen und helfen Entscheidungen im Praxisalltag zu treffen.

Leitlinien werden systematisch entwickelt und sollen zu einer wissenschaftlich begründeten sowie ökonomisch angemessenen Vorgehensweise motivieren.


Für die Logopädie existieren bereits u.a. Leitlinien zu Stimmstörungen, Schlaganfällen, Hörstörungen, Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen. Hierbei ist zu beachten, dass die wenigsten dieser Leitlinien von Logopädinnen mitentwickelt wurden, sondern von Ärzten bzw. Fachgesellschaften für Ärzte. Medizinische Leitlinien werden in der Regel von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) publiziert und sind online frei zugänglich.

Fragestellung

Doch welchen praktischen Wert haben diese teilweise sehr umfangreichen Leitlinien für die Logopädie? Sind Leitlinien überhaupt bekannt? Und wenn ja, werden sie genutzt?

Diesen Fragen haben sich vier Schülerinnen der Düsseldorfer Akademie im Rahmen einer Onlinebefragung gewidmet.

Probanden

Es wurden 203 Logopädinnen sowie 50 Ärzte online rekrutiert und befragt. Der Fragebogen fragte nach Definition, Bekanntheit, dem Verständnis, der Relevanz und der Nutzung, sowie dem Wert der Leitlinien für die praktische Arbeit im Therapeutenalltag.

Der Rücklauf bestand aus 108 von Logopädinnen ausgefüllten Fragebögen, sowie zwei von Ärzten ausgefüllten Fragebögen. Von den 108 Logopädinnen arbeiten 93 Personen in einer logopädischen Praxis und 15 Personen in einer Klinik.

Ergebnisse

Die Antworten, die von weniger als 10 Personen ausgewählt wurden, wurden aus Gründen der Übersichtlichkeit im Folgenden gekürzt.

Die Frage nach der Definition einer Leitlinie ergab folgende Ergebnisse:

  • Handlungsempfehlung (53 Teilnehmer)
  • Richtlinie, die das Verhalten im Therapiealltag vorgibt (23 Teilnehmer)
  • Ratgeber für Diagnostikmittel und Therapieinhalte (17 Teilnehmer)
  • Ermöglicht evidenzbasiertes Arbeiten (16 Teilnehmer)
  • Übereinkunft verschiedener Experten zu einem Störungsbild (10 Teilnehmer)

66 Personen nutzen bereits Leitlinien während 42 Personen sie nicht nutzen.

Folgende Antwort wurde zu der Frage "Wann nutzen Sie Leitlinien?", absteigend nach ihrer Häufigkeit, gegeben:

  • zur Therapieplanung (10 Teilnehmer)

Dabei bewerteten 12 Personen Leitlinien als sehr praktisch, während 66 Personen Leitlinien praktisch, 26 Personen Leitlinien als eher unpraktisch und 4 Personen sie sogar als unpraktisch bezeichnen.

Diskussion

Die Umfrage zeigt, dass viele Therapeuten Leitlinien als wichtig ansehen, diese jedoch in ihrem Berufsalltag nicht oder wenig nutzen. Deswegen wäre es wichtig zu untersuchen, warum Therapeuten die Nutzung im Berufsalltag schwer fällt.

Möglicherweise ist dies in einer mangelnden Kenntnis über die Leitlinien und ihre Funktion bzw. ihren Mehrwert begründet.
Es gibt individuelle Anwendungsmöglichkeiten der Leitlinien, die von der Therapieplanung und differenzierten Beschäftigung mit einem nicht oder nur wenig geläufigen Störungsbild bis hin zu therapiebefürwortenden Argumentationsvorschlägen gegenüber Ärzten oder Krankenkassen reichen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Leitlinien in der Logopädie für jeden, der sie nutzt, eine Bereicherung innerhalb seines therapeutischen Handelns und Alltags darstellen können. Jedoch sind sie in der Öffentlichkeit wenig bekannt und verbreitet.

Diese Tatsache scheint verwunderlich, da die Leitlinien für jeden Interessenten frei zugänglich sind. Hier gilt es nach Ursachen zu forschen.

 

Literaturverzeichnis

BEUSHAUSEN, Ulla. Therapeutische Entscheidungsfindung in der Sprachtherapie. München 2009. Urban & Fischer. S. 61-63 BEUHAUSEN, Ulla & GRÖTZBACH, Holger: Evidenzbasierte Sprachtherapie Grundlagen und Praxis. München 2011. Urban & Fischer. S. 27-35

GRÖTZBACH, Holger. ICF in der Sprachtherapie. Idstein 2009. Schulz-Kirchner-Verlag. S. 10

MÜLLER, Wolfgang: Leitlinien. Unter: www.awmf.org/leitlinien.html. 11.01.2016

PHAM, Nam Kha. Qualitätssicherung: Leitlinien, Standards, Richtlinien und Empfehlungen unter: www.experto.de/bildung-karriere/sozialmanagement/ qualitaetssicherung-leitlinien-standards-richtlinien-und-empfehlungen.html. 25.01.2016 SELBMANN, H. K. &

KOPP, I.: Implementierung von Leitlinien in den Versorgungsalltag. In: Die Psychiatrie. C. Schattauer GmbH. S. 33-38, 2005

TSCHUSCHKE, Benjamin: Hausarbeit Leitlinien zur SES Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen (SES), unter Berücksichtigung umschriebener Sprachentwicklungsstörungen (USES). Interdisziplinäre S2k-Leitlinie. 24.08.2012 Eufh-med Rostock


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