Rettet die CSU die Heilmittelerbringer? Mehr Druck auf die Bundesregierung für notwendige Veränderungen durch einen Antrag der CSU im Bayrischen Landtag.

Ende Mai hat die CSU im Bayrischen Landtag eine Beschlussvorlage mit deutlichen Verbesserungsforderungen eingebracht. Die Forderungen sollen durch die Staatsregierung auf Bundesebene vorgelegt und dort durchgesetzt werden.

 

Der Forderungskatalog der CSU umfasst die wichtigsten Punkte, die seit Jahren als Wunschkatalog von den freiberuflichen Kollegen der Politik vorgetragen werden.

 

Die Kernforderungen der CSU im Antrag sind:

1. Direktzugang zur Therapie statt Blankoverordnung

Der Direktzugang zu Heilmittelerbringern soll in Modellprojekten erprobt werden.
Somit sieht die Landesregierung die modellartige Blankoverordnung nur als Zwischenschritt zum erforderlichen Direktzugang zur therapeutischen Behandlung in der Regelversorgung und möchte eventuell erreichen, dass die Erprobung der Blankoverordnung übersprungen wird.

Die CSU begründet dies mit einer Steigerung der damit verbundenen Kosteneffizienz und einem effektiveren Behandlungsverlauf, wie dies bereits in einem Modellprojekt des IFK e.V. aufgezeigt wurde.

 

2. Besseres Verständnis für Heilmittelerbringer bei der Ausbildung der Ärzte im Studium verankern

 

Die CSU fordert mehr und bessere Information über Tätigkeiten und Aufgabenfelder von Heilmittelerbringen als Wissensinhalt für Ärzte im Studium. Die Zusammenarbeit auf „Augenhöhe“ fördert nach ihrer Ansicht die positive Zusammenarbeit und wirkt sich auf die interdisziplinäre Arbeit aus.

 

3. Leistungsgerechte Entgelte schaffen


Die Antragssteller sehen bei den Therapeuten eine mittlerweile „prekäre Einkommenssituation“

Sie fordern, dass die Vergütung leistungsgerechter gestaltet wird und führen als Vergleichslohn einen durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst von € 3683,00 für das Segment Gesundheits- und Sozialberufe an. Demgegenüber stünde ein monatliches Bruttoeinkommen von € 2237,00 - € 2365,00 bei Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden.

4. Zulassungsbedingungen für Praxen zeitgemäß anpassen

 

Die oft geforderte Augenhöhe von Vertragspartnern soll auch dadurch verbessert werden, dass nach dem Antrag der CSU die Zulassungsbedingungen für Praxen zukünftig in Zusammenarbeit und Einvernehmen verhandelt werden.

Aus unserer Sicht ist das ein maßgeblicher Schritt, um z.B. so unsinnige und nicht zeitgemäße Anforderungen wie eine Anwesenheitspflicht von 30/35 Wochenstunden endlich abzuschaffen.

 

5. Beteiligung der Heilmittelerbringer in relevanten Gremien

 

Ein weiteres von der Berufsgruppe vorgetragenes wesentliches Anliegen zur Begegnung auf „Augenhöhe“ spiegelt sich in diesem Punkt wider.

Der Antrag der CSU fordert, dass Heilmittelerbringer endlich ein Mitbestimmungs- und Mitspracherecht im Gemeinsamen Bundesausschuss Ärzte/Krankenkassen (G-BA) bekommen und zudem in weiteren relevanten Gremien ebenfalls miteinbezogen werden.

 

6. Fortbildungen für Ärzte und medizinische Fachangestellte zur korrekten Verordnung

 

Nach Angabe der Antragssteller liegt die Quote der fehlerhaft ausgefüllten Rezepte bei 20-30 Prozent. Die Politiker zeigen auch hier, dass Sie die Probleme erkannt haben und fordern eine regelmäßige Schulung der Ärzte und ihrer Fachkräfte im Umgang mit Verordnungen.

 

7. Software in Arztpraxen zertifizieren

Auch hier soll eine erprobte Zertifizierung zukünftig besser verhindern, dass es zu Ausstellungsfehlern bei Verordnungen kommt und der Therapeut das Nachsehen hat.

 

8. Mehr Wertschätzung für Leistungen von Heilmittelerbringern

 

Über eine Imagekampagne der Staatsregierung soll die gesellschaftliche Wertschätzung für die Arbeit der Heilmittelerbringer verbessert werden. Zudem soll durch ein positives Berufsbild die Zahl der Interessenten für die Ausbildung wieder verbessert werden.

 

Ja, auch wir finden, dass hier eine Trendwende unumgänglich ist. Mittlerweile sehen Viele den Beruf  ausschließlich als Tätigkeit mit viel Arbeit und wenig Geld an. Wir können erleben, dass Eltern mit der Aussage „davon kannst Du doch nicht leben“ ihren Kindern bei Ausbildungsinteresse abraten.

 

9. Schulgeldfreiheit

 

Sogar mit einem Dringlichkeitsantrag (!) fordern die Politiker einen Landtagsbeschluss, sich für eine schnellere Umsetzung der Schulgeldfreiheit auf Bundesebene einzusetzen. Eigentlich steht dies bereits im Koalitionsvertrag der Bundesregierung.

Allerdings sehen die Antragssteller wohl auch, dass hier Eile geboten ist, da ansonsten eine notwendige Ausbildungsstruktur aufgrund von Schulschließungen nicht mehr vorhanden ist.

 

In der Begründung wird aufgeführt, dass 93% der Schulen eine Ausbildungsgebühr in Höhe von € 15.000,00 - € 25.000,00 fordern und die Abschaffung des Schulgeldes unumgänglich ist, damit sich junge Leute überhaupt wieder für die Berufe interessieren.

 

 

Unsere Meinung

 

Der Katalog umfasst unserer Einschätzung nach wirklich die dringlichsten Punkte, die den Therapeuten im Zusammenhang mit Ihrer Berufsausübung auf der Seele brennen. Die Politik - zumindest die Landespolitik der CSU - hat gehört und verstanden.

 

Offensichtlich tragen die vielen Aktivitäten der Vergangenheit endlich Früchte.

Sollten die Punkte wirklich umgesetzt werden, wäre dies ein Maßnahmenpaket, welches tatsächlich die Attraktivität der Berufe wieder deutlich verbessert.

 

Erstaunlich ist allerdings an dieser Stelle, dass von den Politikern alle Maßnahmen - angefangen beim Direktzugang bis zur Zulassung als Verhandlungspartner im GBA - ohne die von den Verbänden gebetsmühlenartig vorgetragene Forderung einer grundständigen Akademisierung für möglich gehalten werden.

Offensichtlich sehen die Politiker die Therapeuten jetzt schon als ausreichend kompetent und  handlungsfähig an, um Ärzten auf Augenhöhe zu begegnen.

 

Es müssen eben „nur“ die strukturellen Voraussetzungen dafür geschaffen werden!

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